Sekunden des Glücks


Zärtlich, ja fast ängstlich berührent, umschmeichelt mich der milde, laue Sommerwind. Die Augen geschlossen, scheine ich dieser Welt zu entschweben. Wärme, rotgoldene Helligkeit dringt durch meine Lider, findet den Weg durch meine Augen bis in mein Traumzentrum. Die gleiche Wärme streichelt meine Haut, läßt mein Blut pulsieren, die Sinne vibrieren…

Ich fühle mich glücklich!
Nein, das stimmt nicht! Ich fühle mich nicht - ich bin es.

Ich genieße die Sekunde des Augenblicks, verdränge jeden aufkeimenden Gedanken zurück in sein eigenes Ich. Einfach nur da sein, schweben, fühlen, träumen…
Die Zeit scheint Halt zu machen. Fast will mich eine aufkommende Angst gefangen nehmen. Die Angst davor, daß der Zustand des Glücks von einer Sekunde zur anderen zu Ende sein wird.
Ich schwebe höher…
Die Wattebäusche der Schäfchenwolken, die sich um mich herum befinden, wollen sich nicht greifen lassen. Immer, wenn ich danach fasse, sind sie nicht mehr stofflich, werden flüchtig.
Sphärische Musik dringt an mein Ohr. --- „May it Be“ von Enya scheine ich zu erkennen. Die Klänge lassen mich noch höher steigen, mich entschwinden in eine endliche Glückseligkeit.

Da trifft mich ein Schlag! Hart - brutal! Alles dreht sich um mich. Ich werde geblendet, muß blinzeln, versuche dem Drehen im Kopf entgegen zu wirken, finde langsam wieder zu mir… weiß noch gar nicht, wo ich bin.
„Tschuldigung Opa!“
Mein Enkel, sechs Jahre alt, kommt verschwitzt, nur mit Badehose und T-Shirt bekleidet, auf mich zugerannt. „Kann ich meinen Ball wiederhaben?“ Er streckt erwartungsvoll seine kleinen Händchen entgegen, strahlt mich an.
„Äh, was? Wie? Ja - da ist er.“ Ich greife neben mir, wo der Ball, leicht voll Sand, wie ich jetzt auch,  friedlich liegt und reiche ihm den Traumkiller  zurück. 
Nachdem sich der Schreck gelegt, mein Herz wieder zu seiner normalen Geschwindigkeit zurückgefunden hat, greife ich zur Wasserflasche, trinke einen Schluck - ah, das tut gut - und sehr den Kindern beim Spielen zu.

Ja, das sind sie - die Sekunden des Glücks. Genießen wir sie an jedem Ort, zu jeder Zeit. Viel zu selten sind sie da, lassen die Seele baumeln. Es muß ja nicht gerade mitten auf dem Times Square in New York City sein…


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