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Blutgeldvon Sir Charles Blackwood
Franz Wiehle, podinspektor aus Güstrow/Schlesien, schaute erstaunt auf die durch die Sturmflut freigelegten Schädel/Hals-Skelettknochen des Elchbullen. Das steinige Ufer des Parumer Sees hatte es ihm angetan, weshalb er schon zu dieser frühen Stunde mit Angelrute und Brotzeit bewaffnet unterwegs war.
Alt, sehr alt... Bei näherer Betrachtung fallen dem Hobbyangler und Jägersmann die Schußwunde in der Schädelplatte und die stümperhaft abgetrennten Geweihstümpfe auf. „Komisch“, ging es ihm durch den Kopf. „das imposante Geweih im Goldenen Krug, wo er ein Zimmer gemietet hatte, war genauso stümperhaft abgetrennt. Ob es dazugehört?“ Es war ihm nur deshalb aufgefallen, weil er die historische Waffensammlung, die Drumherum an der Wand hing, begutachtete. Ihm fiel die alte Geschichte ein. Es war im März 1921, als man zwanzig tote Elche, denen immer Kopf und Hals fehlten, in den Wäldern rund um den Parumer See fand. „Ob dies einer der Schädel ist?“, ging es ihm durch den Kopf. Er holte sein Handy aus der Tasche und rief seinen alten Freund Behrens, Leiter der KTU, an. Eine Kugel aus einem riesigen Einzellader, so wohl aus dem Französischen Krieg, war das, was Behrens unter anderem herausgefunden hatte. Gleich fiel Wiehle die Waffensammlung im Wirtshaus ein. Einer Ahnung folgend, ließ er die Waffen beschlagnahmen und in der KTU untersuchen. Bingo! Die Befürchtung wurde zur Gewißheit. Der Elch war mit einem dieser mächtigen Gewehre erschossen worden. Und nicht nur er. Auch der Landstreicher Ambrosius Brosig war nach einer Exhumierung untersucht worden. Denn sein Fall war in den alten Akten zusammenhörig vermerkt gewesen. Und er war mit der gleichen Waffe im Buchenhain erschossen worden. Ob durch Zufall, Verwechslung mit einem Elch, oder weil er Zeuge der verbotenen Wilderei geworden war, ließ sich nicht mehr rekonstruieren. Damals waren KTU und moderne Forensik noch nicht so entwickelt, weshalb die Spuren nicht richtig ausgewertet wurden. Wie befürchtet, konnte auch der Wirt nicht viel dazu sagen. Er war zur Tatzeit einfach noch zu jung, ein Knabe, gewesen. Jedoch wurde er leichenblaß, als er von dem Mord mit dem Gewehr des Vaters an dem Landstreicher erfuhr. Es schien ihn ordentlich mitzunehmen. Er konnte nur sagen, daß seine Eltern kurz nach dem Krieg viele Ausländer hier hatten, die Geweihe abholten. Auch große Pakete, höchstwahrscheinlich mit Elchfleisch, waren darunter. Artenschutz wurde nach dem Krieg nicht besonders eng gesehen. Jeder mußte sehen, wo er blieb. Somit konnte dieser alte Fall, zwar ohne Verhaftung, endlich abgeschlossen werden. Wie podinspektor Wiehle Monate später erfuhr, hatte der Wirt es nicht verkraften können, daß der bescheidene Wohlstand seiner Familie mit Blutgeld erkauft worden war. Zuviel für seine sensible Seele. Man fand ihn eines Tages erhängt am höchsten Balken seiner Scheune. Darunter auf dem Hauklotz das zerschlagene Geweih des Elches. |
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